Donnerstag, 29. Januar 2015

Einblicke ins sevillanische Nachtleben

Meine Partie hier in Sevilla geht offiziell in die Verlängerung. Hab nun beschlossen, doch nicht nur bis Ende Januar, sondern auch noch die erste Februarwoche zu bleiben. Wie kam es zu der Entscheidung? Nun, ich habe wirklich Lust, in dieser absolut lebens- und liebenswerten Stadt noch ein paar mehr Tage zu verbringen. Zumal ich die letzten Tage mit einer fiesen Erkältung im Bett lag und daher meine Aktivitäten etwas zurückgeschraubt habe.

Und auch mit meinem Team im Hostel fühle ich mich mittlerweile echt wohl. Zwar sind meine lieb gewonnenen Kolleginnen Adrienne und Hadley seit über einer Woche wieder abgereist. Aber dafür haben wir seit ein paar Tagen Verstärkung von zwei neuen, jungen Mädels aus den USA bekommen. Da Chloe und Kelsey erst Anfang 20 sind, bin ich überzeugt, dass sie das spanische Nachtleben gut verkraften werden.

Aktueller Job: "Spaßverantwortliche"

Und das hoffe ich auch, denn seit die beiden anderen Mädels weg sind, habe ich in Sachen Abendprogrammgestaltung den Hut auf. Heißt also, dass ich fast jeden Abend mit den Gästen nach Mitternacht in der Stadt unterwegs bin. Denn ab dieser Zeit ist in unserem Hostel offiziell "Quiet Hour" angesagt und da sich unser Aufenthaltsraum im Innenhof befindet, an den alle Zimmer des gesamten Hostels anschließen, heißt das: Entweder wir ziehen um in einen kleineren Gemeinschaftsraum. 

Da darin aber nur an die zwölf Leute Platz finden und wir die letzte Woche immer meist doppelt so viele waren, kommt meist Option 2 ins Spiel: Ab geht's ins spanische Nachtleben. Netterweise lassen mich meine Kollegen in der Regel nie im Stich. Gerade mit Chung und Matteo beratschlage ich mich gerne, was wir unternehmen und sie sind eigentlich immer dabei und helfen mir, die Truppe unterwegs zusammen sowie bei Laune zu halten :-)

Kunterbuntes Abendprogramm

Damit nicht nur unsere Gäste, sondern auch wir nach all den Wochen immer wieder Freude am Weggehen haben, haben wir mittlerweile eigentlich ein ganz nettes Abendprogramm zusammengestellt. Je nachdem in welcher Stimmung wir alle sind, ziehen wir zunächst in eine oder mehrere der nahe gelegenen Bars an der Plaza Alfalfa oder Alameda de Hércules. Am Wochenende geht's dann ab 2 Uhr weiter in einen der zahlreichen Clubs. Unsere Stamm- und Startdisco heißt "Tokyo". Dort läuft in der Regel ein bunter Mix aus R'n'B/HipHop und Latin Dance Music - ganz nach meinem Geschmack :-) Und auch der eher alternativ angehauchte "Funclub" mit Rock/Indie-Musik gehört mittlerweile zu meinen Lieblingsclubs, hier machen wir meist gegen später (bzw. "früher" - je nachdem wie man's uhrzeittechnisch nimmt ;-)) noch einen Abstecher hin.

Doch auch unter der Woche kann man in Sevilla immer irgendwas unternehmen. So waren wir gestern beispielsweise in einem Künstlercafé bei einem echt tollen Jazz/Swing-Konzert und am Tag zuvor stand der Besuch einer Flamenco-Show auf dem Programm. Wenn die Stimmung besonders ausgelassen ist, gibt es in der Nähe auch eine Karaoke-Bar, wo wir schon zwei richtig witzige Nächte verbracht haben. Oder an einem verregneten Sonntagabend habe ich auch einfach mal einen Kinobesuch organisiert. Was eigentlich immer geht und ein echter "Geheimtipp" ist: Die "Bicicleteria", eine ehemalige Fahrradwerkstatt, die ein paar Argentinier in eine mehr oder weniger legale Bar umfunktioniert haben, die man nur an einem Fahrrad auf dem Hausdach erkennt. Da sie nämlich keine offizielle Ausschankgenehmigung haben, muss man vor Eintritt klingeln. Und erst wenn sich der Besitzer per Guckloch überzeugt hat, dass nicht die Polizei auf der Matte steht, erhält man Einlass in diese sehr kreativ eingerichtete, aber auch leider ausnahmsweise verrauchte Kneipe.

Lektionen aus dem sevillanischen Nachtleben 

Es mag lustig klingen, aber auch bei meiner aktuellen Aufgabe lerne ich immer noch was dazu. Nicht nur, dass ich jeden Abend mein Gedächtnis aufgrund der vielen Namen, Herkunftsländer und Reisepläne der Gäste trainiere. Auch mein Orientierungssinn wird immer besser, je mehr ich unsere Gruppe nachts durch Sevillas verwinkelter Gässchen führe. Zu den Kernkompetenzen gehören zudem etwas Charme und Verhandlungsgeschick. Das ist durchaus nützlich, um bei den Barbesitzern freundlich auf spanisch eine Runde "Chupitos" für alle (das sind die spanischen Schnäpsle) rauszuhandeln. Auch die Kontaktpflege zu den Türstehern ist nicht zu vergessen. So informiere ich beispielsweise immer Abdul - unseren "Kontaktmann" im Club Tokyo - kurz vor unserer Ankunft per WhatsApp, so dass wir weder Schlange stehen, noch Eintritt bezahlen müssen und obendrein alle meist noch ein Freigetränk spendiert bekommen :-) 

Zudem recherchiere ich immer wieder auch nach neuen Ausgeh-Möglichkeiten, beispielsweise wenn unsere Gäste mal gerne Abends eine Salsa-Bar besuchen würden. Dazu gehört auch ein bisschen "Location-Scouting" - so hab ich mir mal neulich mittags eine größere Disco angeschaut, mich vorgestellt und nachgefragt, ob wir als größere Gruppe ein paar Vergünstigungen bekommen könnten.

Mein Ausgleich zum Trubel

Was sich wirklich etabliert hat und mir richtig gut tut ist mein Start in den Tag mit der morgendlichen Meditation auf der Dachterrasse. Bis auf zwei Tage war auch immer jemand mit dabei und ich merke, dass die Menschen doch auch sehr interessiert an Entspannungstechniken und einem Ausgleich zum Party- und Sightseeing-Marathon sind. Meinem spanischen Zimmernachbarn habe ich zudem heute noch auf Wunsch in die Progressive Muskelentspannung eingewiesen und dabei praktischerweise noch meine Anleitung auf Spanisch üben können.

Die letzten Tage habe ich überhaupt viel Zeit auf der Dachterrasse verbracht, neue Energie nach meiner Erkältung getankt, eine spanische Lektüre begonnen und viel mit meinen Kollegen geredet. Von Matteo bekomme ich zudem noch meine erste Gitarre-Lektionen, so dass ich nun immerhin schon drei der wichtigsten Akkorde spielen kann :-)

Ausflug in den Wilden Westen

Ein besonderes Highlight war für mich zudem letzten Donnerstag ein Ausflug mit Antonio (den ich noch vom Jakobsweg kenne und der auch in Sevilla wohnt) nach El Rocio. Das ist eine bekannte Wallfahrt-Stadt am Rande des großen Nationalpark Coto de Doñana, rund eine Stunde südlich von Sevilla. 

Dort angekommen, habe ich mich wirklich in die Zeit des "Wilden Westens" zurückversetzt gefühlt. Denn innerhalb der Stadt gibt es keine Asphaltstraßen, überall ist nur Sand aufgeschüttet. Das liegt daran, dass die Stadt komplett pferdeverrückt ist und so gut wie jeder statt mit dem Auto mit seinem Pferd durch die Gegend reitet, um Freunde zu besuchen. Für mich als allgemeine Tierliebhaberin natürlich ein Paradies :-)

Das alles führt soweit, dass sogar einige Bars "pferdefreundlich" ausgelegt sind. Das heißt die Tresen sind so hoch gebaut, dass man auf seinem Pferd bzw. auf der Kutsche sitzend bequem sein Bier auf den Stehtischen abstellen oder ein paar Tapas essen kann. 

Soviel zu meinem Ausflugstipp rund um Sevilla, vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen nochmal einen kleinen City-Guide mit Tipps und Tricks für all diejenigen unter euch, die Lust bekommen haben, dieser genialen Stadt auch demnächst mal einen Besuch abzustatten.



Donnerstag, 15. Januar 2015

Zurück mit etwas Startschwierigkeiten

Ich bin wieder in Spanien angekommen. Aber dieses Mal habe ich mich mit dem Eingewöhnen echt etwas schwerer getan. Erstens lag es vielleicht daran, dass ich mich nach den zwei Wochen "Heimaturlaub" schon fast wieder in meinen Alltag zuhause eingelebt hatte und das Abschiednehmen nach so kurzer Zeit dann doch auch wieder komisch war. Zum zweiten habe ich mir kurz vor Silvester noch eine dicke Erkältung eingefangen, so dass ich immer noch total schlapp hier in Sevilla ankam. Und drittens kam mit meiner neuen Station leider alles etwas anders als geplant.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt
Als ich am 4. Januar abends ziemlich k.o. nach der langen Reise in meinem Hostel ankam, war ich zunächst total begeistert: Ich wurde sehr nett von Chung und Erik, den beiden anderen freiwilligen Helfern aus Malaysia und Uruguay, empfangen, bekam sogar ein eigenes 6-Bett-Zimmer für mich alleine zugeteilt und war vom Flair unseres kleinen, gemütlichen Hostels im typisch andalusischen Style sehr angetan.
Ein wenig später kam dann der Hostelmanager Martin dazu, der leider alles andere als gute Nachrichten hatte. Aufgrund eines Besitzerwechsels war er gezwungen, das Hostel kurzfristig innerhalb einer Woche (bis letzten Freitag) zu schließen. Das kam für mich dann doch sehr überraschend und ich war erst mal etwas ernüchtert. Zwar hatte er sich netterweise, um eine alternative Beschäftigung für uns Freiwilligen bemüht - aber irgendwie war ich eben gedanklich schon so auf dieses Hostel und die damit verbundenen Aufgaben (7 Stunden Rezeption an 4 Tagen die Woche, die restlichen 3 Tage frei) eingestellt, dass mir das Umgewöhnen erst mal schwer fiel.

Von der Social Media Managerin zur "Socialiserin" 
Meine neuen Aufgaben bestehen zum einen darin, Chung abends ab 20 Uhr beim Kochen bzw. Sangria zubereiten zu unterstützen. Denn mein neues Hostel gehört zu den drei beliebtesten Hostels in Sevilla und legt sehr viel Wert auf eine gemeinschaftliche Atmosphäre, sodass jeden Abend im Wechsel entweder das Abendessen oder eine Runde Sangria inklusive ist. Meine Hauptaufgabe aber besteht im sogenannten "Socialising". Heißt: Smalltalk mit den Gästen führen bzw. ihnen bei Fragen (z.B. Tipps für Sightseeing oder die Weiterreise) weiterhelfen, täglich nach dem gemeinsamen Essen in der Halle die Atmosphäre durch diverse Spiele aufrecht zu erhalten und je nach allgemeiner Stimmungslage die Hostelgäste noch mit auf Touren durch Bars oder Discos zu nehmen.

Hört sich prinzipiell nach jeder Menge Spaß an und ist es sicherlich auch an vielen Tagen. Habe zum Beispiel schon viele neue Kartenspiele sowie coole Ausgehmöglichkeiten kennengelernt und schon viel über andere Länder und Kulturen erfahren. Aber grade am Anfang, als ich noch nicht so fit war, hatte ich doch ziemliche Bedenken: Habe ich wirklich jeden Abend Lust auf Geselligkeit und Partystimmung? Denn auch wenn ich von mir grundsätzlich behaupten würde, dass ich aufgeschlossen bin und gut auf Menschen zugehen kann, so habe ich doch auch gemerkt, dass ich noch mehr als früher immer wieder Zeit für mich selbst brauche und mich zwischendurch auch einfach mal zurückziehen möchte.

Neue Lektion im "Veränderungen annehmen"

So habe ich mich die letzte Woche ständig hin- und hergerissen gefühlt: Will ich hier wirklich bleiben? Fühle ich mich mit meinem neuen Aufgaben und der Umgebung wohl? Und kann ich mir vorstellen, jeden Tag eine Art Animateurin zu sein, auch wenn ich mich mal nicht danach fühle? Von den Rahmenbedingungen her bin ich soweit zufrieden: Wir sind momentan insgesamt acht Freiwillige aus vielen unterschiedlichen Ländern und wachsen als Team auch immer mehr zusammen. Zwar habe ich nicht mehr den Komfort mit einem Zimmer für mich alleine habe. Aber ich teile mir ein Vierbett-Zimmer mit zwei sehr netten Mädels (Adrianne und Hadley) aus den USA und einem Spanier (Hérman). Außerdem liegt das Hostel sehr zentral, es ist sehr sauber und hat eine tolle Dachterrasse und eine angenehme Atmosphäre. Auch die beiden Hostelmanager sind nett, flexibel und auch aufgeschlossen neuen Ideen gegenüber.

Also habe ich jetzt einfach beschlossen, mich auf die veränderten Bedingungen einzulassen, die neue Situation so anzunehmen wie sie ist (wieder eine neue Lektion :)) und aus meinem Aufenthalt hier das Beste zu machen. Seither habe ich auch viel mehr Spaß an den gemeinsamen Aktivitäten. So haben wir die letzten Tage beispielsweise die Schlossanlage "Alcazár" und die Stierkampfarena besichtigt, ein Picknick am Fluss gemacht oder Pancakes zum Frühstück gebacken. Und zwischendurch gönne ich mir einfach immer wieder etwas Zeit für mich alleine. Dann zieht es mich meist in die etwas ruhigeren Ecken der Stadt, zum Beispiel in die kleinen Gässchen mit den schönen, alternativen Lädchen, in den Park Maria Louisa oder an den Fluss, wo ich gerne lese oder meditiere.

Mit Meditation in den Tag starten

Mit der Meditation habe ich hier übrigens auch noch ein paar andere angefixt, die von meinen Erzählungen neugierig wurden. So habe ich beschlossen, unter der Woche jeden Morgen um 11 Uhr eine halbe Stunde gemeinsames Meditieren und Stretching auf unserer Dachterrasse für alle Interessierten anzubieten. Das ist für mich die perfekte Gelegenheit, meine Anleitungen auch gleich auf Englisch (und im nächsten Schritt auch auf Spanisch) zu übersetzen und am Ball zu bleiben. Außerdem gibt das meinem freien Tag gleich etwas Struktur und ich penn nicht bis in die Puppen - da kommt man mit dem spanischen Nachtleben (das hier frühestens ab Mitternacht startet) nämlich gerne in Versuchung. Dann lieber nochmal eine kleine Siesta am Spätnachmittag ;-)

Königliche Festivitäten hautnah miterleben

Neben dem intensiven Nachtleben habe ich hier in Sevilla aber auch schon ein paar kulturelle Eindrücke mitgenommen. So konnte ich gleich zu Beginn ein bisschen in die Festivitäten einzutauchen, die die Spanier rund um die Heiligen Drei Könige veranstalten. Am 5. und 6. Januar fanden hier in Sevilla zum Beispiel zwei riesige Umzüge ("La Cabalgata de Reyes") statt, mit vielen bunten, Karamellen werfenden Festwägen, wie wir sie hauptsächlich von Karneval kennen. Außerdem hat mir ein sehr netter Konditor ein Stück vom "Roscon de Reyes" spendiert - einem pappsüßen, mit Creme gefüllten Hefeteigkuchen. Pro Dreikönigskuchen ist in die Creme eine kleine Figur aus Porzellan eingearbeitet und derjenige, der sie findet hat wohl das ganze Jahr Glück. In meinem Tortenstück war leider keine Figur, netterweise habe ich aber von dem netten Konditor trotzdem obendrauf noch eine Figur dazu bekommen :-)

Wie geht's weiter?

Das nächste große Ereignis ist dann hier in Sevilla dann übrigens die "Semana Santa" - die Osterwoche Anfang April. Diese wird auch gleichzeitig der Abschluss meiner Reise sein - für alle die es noch nicht wissen: Ich habe meinen Spanienaufenthalt etwas verlängert und werde dann am 8. April wieder zurück in Deutschland sein. Was bis dahin passiert lasse ich gerade noch auf mich zukommen. Fest steht: Ich bleibe jetzt erst mal bis Ende Januar hier in Sevilla. Dann werde ich in den nächsten Tagen langsam nach neuen Projekten auf workaway Ausschau halten. Außerdem kommen mich Tobi und meine Mama jeweils ein paar Tage im Februar und im März besuchen. Und ganz sicher werde ich auch nochmal bei Cleo und ihren Katzen vorbeischauen. Schließlich will ich auch wissen, was mein zukünftiges Adoptivkind Tyson so treibt :-)
Ich lasse jetzt die kommenden Wochen einfach mal auf mich zukommen, sehe was sich entwickelt und genieße es einfach, so flexibel sein zu können. Vamos a ver que pasa - mal sehen, was sich entwickelt :-)

Sonntag, 21. Dezember 2014

Hasta luego, España!

Auf geht's in den Urlaub vom Urlaub. Vor einer Viertelstunde sind wir in Málaga gestartet und schweben jetzt hoch über den Wolken Stuttgart entgegen. Wenn ihr diese Zeilen lest, könnt ihr euch also auch sicher sein, dass ich ebenso wieder gut gelandet bin :-)

Wie im Flug vergangen ist auch meine letzte Woche in Estepona. Die vergangenen Tage war ich unter anderem damit beschäftigt die zwei neuen Helfer - ein junges Pärchen aus Tschechien - einzulernen. Für mich irgendwie unfassbar: Beide haben eine Katzenhaar-Allergie, das Mädel sogar richtig schlimm! Die zwei haben dazu aber eine komplett andere Einstellung und sehen ihren Aufenthalt bei Cleos Katzen-Auffangstation als Herausforderung, mit erschwerten Bedingungen im Leben besser umzugehen zu lernen. Als ich die Jana und Christóf ständig husten und niesen gesehen habe, ist mir bewusst geworden, wie dankbar ich bin, keinerlei Allergien zu haben! Vor allem eine Tierhaar-Allergie wäre für mich das Schlimmste.

Meine zweite große Liebe

Für mich steht nach den letzten drei Wochen nämlich mehr denn je fest, dass Tiere - und besonders Katzen - einfach zu meinen Leben dazugehören. Ich bin ja mit Tieren groß geworden und der tägliche Kontakt hat mir in den letzten Jahren glaube ich echt gefehlt! Aber keine Angst: Natürlich müssen es nicht gleich 30 Katzen in einer Wohnung sein ;-) Wenn möglich würde ich aber dennoch gerne zwei Katern ein neues zuhause schenken, auch damit einer tagsüber nicht so viel alleine ist. "Pumi" habe ich euch beim letzten Mal ja bereits vorgestellt. Des weiteren ist mir sein bester Freund "Tyson" sehr ans Herz gewachsen. Der kleine schwarze Kater mit den kurzen Beinchen und den leuchtend gelben Augen hat die ersten vier Monate seines Lebens in einer kleinen Box in der Tötungsanlage verbracht. Cleo hat sich ebenfalls von seinem Blick erweichen lassen, obwohl sie eigentlich gar keinen Platz mehr frei hatte. Seither blüht der Kleine richtig auf und ist ein total liebenswertes und freundliches Kerlchen geworden, das überall mit anpacken mag. So verging kein Tag, an dem Tyson nicht freudig schnurrend auf meiner Schulter saß, während ich die Katzenklos gesäubert habe. So war ich auch immer "tierisch" motiviert bei der Sache ;-)

Weiterer Master-Kurs im "Abschied nehmen"

Ich dachte eigentlich, dass mir der Abschied von den Tieren wesentlich schwerer fallen würde, aber ich war ganz tapfer ;-) Wahrscheinlich weil ich das die letzten Wochen auch viel geübt habe, so oft wie ich mich von lieb gewonnenen Umgebungen verabschieden musste. So habe ich das "Abschied nehmen" bzw. "Loslassen" gleich mal als meinen dritten offiziellen Kurs hier meiner Universität des Lebens mit aufgenommen :-) Dazu gibt es auch einen schönen Spruch, der mir gestern wieder eingefallen ist: "Nicht weinen, dass es vorbei, sondern lächeln, dass es gewesen ist."

So spüre ich auch gerade eine riesige Dankbarkeit über die vielen schönen Erfahrungen und Begegnungen, die ich bisher auf meiner Reise hatte. Und ich bin fasziniert davon, dass sich irgendwie immer alles ergeben hat, auch ohne dass ich alles perfekt im Voraus plane. Das lässt mich innerlich immer ruhiger und gelassener werden.

Halbzeit-Resumee in Málaga

Vor meinen heutigen Abflug habe ich mir gestern nochmals bewusst einen ganzen Tag für mich alleine in Málaga gegönnt. So hatte ich zum einen ausführlich Zeit, mir die Stadt etwas näher anzuschauen, ein bisschen durch die Läden zu bummeln und einen ausführlichen letzten Strandspaziergang für dieses Jahr zu machen.

Zum anderen konnte ich auch die letzten Wochen nochmals Revue passieren lassen: Was nehme ich aus meiner ersten Zeit in Spanien mit? Richtig bewusst geworden ist mir nochmals, wie viel ich dazu gelernt habe: Nicht nur was meine Sprach- und Spanienkenntnisse anbelangt - auch durch die Lieblingsthemen der Menschen, mit denen ich in Kontakt war, habe ich viel Neues erfahren. Und auch über mich selbst habe ich jede Menge gelernt, was ich unheimlich hilfreich finde.

Kleine Blog-Urlaubspause

Ihr Lieben, ich verabschiede mich mit einem sehr dankbaren und erfüllten Gefühl in meinen Weihnachtsurlaub. Während meiner zwei Wochen zuhause werde ich auch eine kleine Schreib-Pause hier im Blog einlegen und einfach die Zeit daheim genießen :-) Ich melde mich Anfang Januar dann wieder aus Sevilla zurück.

Bis dahin wünsche ich euch schöne, gemütliche Weihnachtstage und einen guten Start in ein gesundes und glückliches 2015!

Zum Jahresende möchte ich euch noch ein Zitat mit auf den Weg geben, dass ein Pilger während meines Aufenthalts ins Gästebuch der Herberge geschrieben hat:

"Si no zarpas no naufragas pero tampoco descubres el perfume del horizonte."

Das bedeutet frei übersetzt so viel wie: "Wer nicht die Leinen löst und los segelt, geht zwar nicht unter - aber entdeckt auch nicht neue Ufer."

In diesem Sinne auch nochmals ein herzliches Dankeschön an all diejenigen, die mir Wind in meine Segel gepustet haben, so dass ich tatsächlich zu meiner Aus(lands)zeit aufgebrochen bin und neue Ufer entdecken durfte. Und ich freue mich wirklich riesig, dass ihr meinen Blog mit verfolgt und somit ein Teil meiner Reise seid!

PS: Noch als kleiner Nachtrag - auf dem untersten Bild seht ihr, wie liebevoll ich am Flughafen heute empfangen wurde. War sehr gerührt!

Samstag, 13. Dezember 2014

Bis über beide Ohren verliebt

Es kam, was kommen musste: Ich habe mich unsterblich verliebt. Und zwar in einen flotten, jungen Spanier von der Straße mit langen roten Haaren. Mein Schwarm heißt Pumuckel (kurz Pumi), ist fünf Monate jung und gehört zu meiner rund 70-köpfigen Rasselbande, um die ich mich hier bei der Katzenauffang-Station in Estepona liebevoll kümmere.

Kleine Katzenkunde von A bis Z

Wer hier arbeitet, muss Katzen wirklich lieben. Und neben verdammt guten Nerven auch ein irre Namensgedächtnis haben ;-) Denn hier hat wirklich jedes Tier einen Namen! Nach fast zwei Wochen Aufenthalt kenne ich immerhin über die Hälfte.

Neben den unterschiedlichsten Namen gibt es hier wirklich Katzen in allen Formen und Farben: Von der bildhübschen, exotischen Savannah-Katzendame "Anni", über den pummeligen (pssst, das hört die stolze Besitzerin Cleo äußerst ungern) Britisch-Kurzhaar-Tiger "Fridolin" und den bedrohlich knurrenden goldfarbenen Bengalen-Kater "Yoko" bis hin zu "ganz normalen" Straßenkatzen wird hier wirklich jeder Samtpfoten-Liebhaber fündig. Neben den vielen Namen lerne ich übrigens auch einiges über die unterschiedlichen Rassen und die richtige Pflege - total interessant!

Wo kommen eigentlich all die Katzen her?

Wie kommt Cleo, die als deutsche Auswanderin die Katzenauffang-Station seit acht Jahren betreibt, zu all den Tieren? Zum einen klappert sie die überfüllten Tierheime sowie eine Katzen-Tötungsanlagen hier in der Region ab. Zum anderen bekommt sie immer wieder auch "Findelkinder" von Freunden und Bekannten aufs Auge gedrückt oder gabelt diese selbst von der Straße auf - teilweise in einem gesundheitlich sehr kritischen Zustand. Zusammen mit befreundeten Tierärzten peppelt sie die Tiere wieder auf, lässt sie kastrieren und sucht für ihre Schützlinge ein neues Zuhause in Deutschland.

Von den rund 70 Katzen sind gut 45 in der laufenden Vermittlung. Die restlichen sind ihre eigenen Tiere - viele davon ein "Überbleibsel" unvermittelbarer Katzen, weil zu alt, zu scheu, zu unscheinbar, chronisch krank...

Von positiven Überraschungen... 

Mein erster Eindruck war gemischt. Sehr positiv überrascht war ich davon, wie gut es es den Tieren hier geht! Unter einer Katzenauffang-Station hatte ich mir einen Haufen kläglich schreiender Katzen mit struppigem Fell vorgestellt, die einen aus engen Käfigen mit großen, traurigen Augen anschauen. Die Katzen, die mich hier bei meiner Ankunft begrüßt haben, waren aber das genaue Gegenteil!

Die meisten Tiere sind total verspielt und verschmust, haben glänzendes Fell und sind (wieder) sehr gut genährt - für meinen Geschmack meist sogar zu gut ;-) Sie leben zusammen in einem großräumigen Katzenhaus bzw. in kleineren Gehegen und sind mit weichen Kuscheldecken, allerlei Spielzeug, leckerem Premiumfutter und sogar Infrarot-Lampen und Heizstrahlern für die "kalten" Nächte bestens versorgt! Bei so vielen Tieren geht es außerdem verhältnismäßig friedlich zu! Das liegt vielleicht auch daran, dass sie sich vormittags richtig im weitläufigen Garten austoben dürfen. Gleichzeitig hat das auch den Vorteil, dass wir in Ruhe alles saubermachen können.

...und persönlichen Toleranzgrenzen

Wo allerdings sogar ich als riesen Katzenfan an meine persönliche Toleranzgrenze stoße, sind die 25 Katzen von Cleo, die sich Tag und Nacht im Wohnhaus aufhalten. Denn die sind wirklich überall anzutreffen: Auf der Couch, auf dem Ess- und Küchentisch, im Bad... Da bin ich wirklich froh, dass ich mir zusammen mit der anderen freiwilligen Helferin Stella aus Südkorea einen gemütlichen und katzenfreien Wohnwagen teile. Die tierische Omnipräsenz hat neulich sogar dazu geführt, dass ich mich kurzzeitig im Bad (zuvor hab ich noch den schlafenden Kater "Mumi" aus dem Waschbecken entfernt ;-)) eingeschlossen habe, um in Ruhe meine Salami schneiden zu können, ohne dass ständig irgendeine Naschkatze versucht, meinen Teller leer zu räubern.

Darüber hinaus hatte ich auch mit der Katzenmama Cleo zu Beginn etwas Startschwierigkeiten. Im Laufe der Jahre hat sie wohl einige Eigenheiten der Katzen angenommen und faucht ihre Mitmenschen immer wieder - und meist vollkommen unerwartet - an. Nach einem klärenden Gespräch haben wir aber jetzt eine ganz gute Basis gefunden. Im Grunde weiß ich, dass sie einen guten Kern und ein sehr großes Herz hat. Auch wenn sie das vielleicht nicht immer zeigen kann ;-)

Es gibt immer was zu tun - und zu lachen!

Eines kann ich euch sagen: Langeweile kommt hier nicht auf! Dazu gibt es hier wirklich zu viel zu tun. Nicht nur, dass jeden Tag alle Gehege gründlich geputzt und die Tiere versorgt werden müssen - ich versuche mir auch immer mindestens eine Stunde täglich Zeit zu nehmen, um jeder Katze eine kleine Streicheleinheit zu schenken. Was ich auch super spannend finde: Nach und nach die unterschiedlichen Charaktere der Tiere kennenzulernen und sie in ihrem Umgang miteinander zu beobachten. Da geht mir wirklich jedes Mal das Herz auf und ich amüsiere mich immer wieder köstlich! Vor allem am Gehege mit den kleinsten Kätzchen, in dem auch "mein" Pumi wohnt, kann ich nie einfach nur so vorbeilaufen ;-)

Darüber hinaus helfe ich zusätzlich mehrmals die Woche jeweils für 2-3 Stunden bei der befreundeten Tierärztin aus, gehe mit den Hunden spazieren und bin jetzt auch von Cleo zur offiziellen "Hasenmama" ernannt worden. Irgendwie scheine ich seit langem die erste Helferin zu sein, die sich auch eingehend mit diesen beiden Tieren beschäftigt. So haben "Hanni und Nanni" mittlerweile nicht nur ein glänzend gebürstetes Fell, sondern auch ein regenundurchlässiges Gehege, frisches Heu, sowie ein eigenes Klo samt selbstgebasteltem Unterschlupf :-)

Von Katzen die hoch hinaus wollen oder abheben

Dazu kommen noch spezielle Aktionen. So zum beispielsweise unser heutiges, waghalsiges Rettungsmannöver, bei der wir die verzweifelte Katze "Lilly" vom Dach geholt haben. Sie war vor einigen Tagen über einen Baum aufs Dach gehüpft und hat sich nicht mehr runter bewegt. Selbst Katzenfutter, das wir löffelweise als Lockmittel auf den Baum katapultiert haben, hatte nichts geholfen. Dafür hat die Hauswand jetzt eine neue Farbe - der hellbraune Ton nennt sich "Geflügel" ;-)

Außerdem durfte ich gleich in meinen ersten Tagen auch mit zum Flughafen nach Malaga, als wir vier Katzen und einen Hund samt Flugpatin Daniela nach Deutschland verabschiedet haben. Ich fand es echt interessant, mal den ganzen Prozess mitzuerleben. So habe ich unter anderem gelernt, dass die vermittelten Tiere nicht einfach so in den Flieger gepackt werden können, sondern immer noch einen mitreisenden Menschen als Flugpaten benötigen. Ich habe beschlossen, mich beim Heimflug aus einem Urlaubsland ab sofort auch immer unter www.flugpate.com als Flugpatin anzubieten. Denn für mich ist das kein wirklicher Mehraufwand und die Transportkosten übernimmt die Organisation - dafür verhelfe ich einem oder gleich mehreren Vierbeinern schneller zu einem neuen Zuhause. Vielleicht ist das ja auch was für den einen oder anderen von euch. Hier steht auch nochmals genau, was es mit der Flugpatenschaft auf sich hat.

Mein Alltagsluxus in Estepona

Abgesehen von meinen Kuscheleinheiten mit den Tieren, gibt es noch anderen Alltagsluxus, den ich sehr genieße. Zum einen ist es hier in Südspanien tagsüber immer noch angenehm warm, so dass ich bei rund 18 Grad in der Sonne auch mal nur im T-Shirt rumlaufen kann. Dafür kühlt es nachts relativ ab, so dass ich über die Heizung im Wohnwagen sehr froh bin. Zum anderen genieße ich es sehr, so nah am Meer zu sein. Von Cleos Finca brauche ich nur ca. 20 Minuten zu Fuß, einen Spaziergang den ich so oft ich kann unternehme, wenn ich nachmittags frei habe.

Zudem habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, die Sonnenauf- und untergänge so gut wie jeden Tag anzuschauen. So hab ich das Gefühl, den Tag auch wirklich miterlebt zu haben. Und trotzdem vergehen die Tage wie im Nu: Sonntag in einer Woche geht es dann schon für zwei Wochen über Weihnachten und Silvester nach Hause! So lange genieße ich jetzt aber noch meine Zeit mit den Katzen und das milde Klima Südspaniens in vollen Zügen.

...und ich überlege mir schon mal einen guten Schlachtplan, wie ich Tobi und meine Familie vielleicht für eine Adaption des kleinen Pumi begeistern kann ;-)